Wie risikobasierte Qualitätsprüfung die Prozessindustrie transformiert

In vielen Bereichen der Prozessindustrie – von Food & Beverage über Pharma bis Medical Devices – steigt der Druck, Qualität, Kosten und Geschwindigkeit gleichzeitig zu optimieren. Klassische Testkonzepte stoßen dabei an ihre Grenzen: zu statisch, zu teuer, zu hohe Aufwände.

Wodurch in vielen Organisationen versteckte Qualitätskosten vorhanden sind, die oftmals weder transparent noch systematisch gesteuert werden.

Risikobasierte Qualitätsprüfung zeigt, dass es auch anders geht – ein dynamischer, datenbasierter Ansatz, der Qualitätsrisiken dort adressiert, wo sie tatsächlich entstehen, und Testaufwände drastisch reduziert.

Viele Qualitätspläne – z. B. in HACCP‑Systemen – sind historisch gewachsen und beruhen auf statischen Plänen, die Risiken nur begrenzt widerspiegeln.
Typische Herausforderungen aus der Praxis:

  • 100% In‑Prozess Tests ohne klare Notwendigkeit
  • Hohe Prüf-Redundanzen zwischen Produktion & Qualität
  • Fehlende Kosten- und Risikotransparenz
  • Keine Verknüpfung von Risikoklassen und aktuelle Qualitätslage der Prozesse
  • Unterschiedliche Testmethoden & Spezifikationen zwischen Lieferanten und Kunden

Das Ergebnis: hohe Prüfaufwände und -kosten, Verzögerungen der Freigaben und trotzdem nicht immer die gewünschte Sicherheit.

Der Ansatz verbindet Risikobewertung mit aktueller Prozessfähigkeit, AQL-Logik und Stichprobenumfängen unter Berücksichtigung von statistischen Methoden zu einem integrierten, modernen und dynamischen Qualitätssicherungssystem.

Die zentralen Prinzipien:

  • Fokus auf kritische Bereiche – dort, wo die größten Auswirkungen entstehen
  • Einsatz der Ressourcen dort, wo sie den größten Effekt bringen
  • Prävention statt Reaktion
  • Dynamische Sampling‑Pläne basierend auf Risikoklassen, Prozessleistung und -stabilität
  • Kontinuierliche Verbesserung durch Monitoring & Verifizierung

Inspektionsregeln gemäß ISO 2859 können bei attributiven Qualitätsmerkmalen angewendet werden:

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Beispiel 1: Medical Devices – Reduktion redundanter Tests

Ausgangslage:

  • 100 % In‑Process‑Testing + 100 % Final‑Testing
  • Statischer Plan für alle SKUs
  • Keine Unterscheidung zwischen Risikolevels

Ergebnis nach Einführung eines risikobasierten Ansatzes:

  • –82,5 % Testaufwand in der Produktion
  • Einsparungen von 156.000€ pro Jahr
  • ~3.400 h geringerer Test‑Aufwand gesamt

Beispiel 2: Pharma – Optimierung der Eingangskontrolle

Ausgangslage:

  • Hoher Ausschuss durch fehlerhafte Primärverpackung
  • Getestet wurde jede Lieferung, trotz geringer Prozesstransparenz
  • Abweichende Testmethoden zwischen Lieferanten & Kunde

Ergebnis nach Umsetzung:

  • Inspektionsfrequenz: von jeder Lieferung → jede 10. Lieferung
  • 120.000€ Einsparung/Jahr
  • Reklamationsrate signifikant reduziert à da gemeinsame Spezifikationen & Testmethoden mit Lieferanten etabliert wurden

Das methodische Vorgehen umfasst u. a.:

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KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein. Lieferantenmanagement & Wareneingangskontrolle

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KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein. Inspektion von Verpackungs- und Rohmaterialien

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KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein. In-Prozess-Kontrolle

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KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein. Endproduktprüfung

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KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein. Validierung, Monitoring & Verifizierung

Damit wird die vollständige Wertschöpfungskette abgedeckt – vom Lieferanten bis zum fertigen Produkt.

Ein typischer Umsetzungsansatz umfasst:

  1. Analyse der aktuellen Prozesse & Prüfungslandschaft
  2. Bewertung der Risiken, Beurteilung Prozessleistung & Qualitätslage in der Wertschöpfungskette
  3. Entwicklung dynamischer Sampling‑Strategien unter Berücksichtigung von Risikoklassen, der tatsächlichen Prozessleistung und entsprechenden Vertrauensniveaus.
  4. Schulung und Befähigung der Teams in statistischen Methoden zu AQL, Fähigkeitsanalyse & SPC
  5. Pilotphase z. B. an einer Linie oder bei einem Lieferanten

Rollout – Anpassung von Standards, SOPs & Dokumentation

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Die Erfahrung zeigt:
➡️ Bereits nach wenigen Wochen lassen sich klare Potenziale sichtbar machen.
➡️ Einsparungen resultieren sowohl aus weniger Tests als auch aus weniger fehlerhafte Teile, weniger Verzögerungen und weniger Reklamationen, da u.a. auch die Ursachen zu den Verschwendungen ermittelt und abgestellt wurden.

Risikobasierte Qualitätsprüfung ist kein Trend – es ist ein Schlüsselbaustein moderner Qualitätsstrategien in der Prozessindustrie.
Wer die Balance zwischen Kosten, Qualität und Zeit beherrschen will, braucht einen Ansatz, der Fehler vermeidet, Ressourcen intelligent einsetzt und regulatorische Anforderungen sicher erfüllt.

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Unternehmen, die diesen Weg gehen, erreichen:

  • deutlich geringere Testaufwände
  • stabilere und fähigere Prozesse
  • reduzierte Qualitätskosten
  • höhere Produktsicherheit
  • bessere Zusammenarbeit mit Lieferanten
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